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Die Fußball-WM 2010 im Huckbook / Tag 21

Ich weiss gar nicht womit ich anfangen soll. Dieser Tag. Hach!

 

Es stand die Viertelfinalbegegnung Argentinien vs. Deutschland an. Ich war ein bisschen aufgeregt, aber meine Freunde und etliche Ratgeber aus Funk und Fernsehen haben mich beruhigt. Ich müsse nicht aufgeregt sein, Deutschland habe keine Chance, Argentinien sei eindeutiger Favorit. Argentinien sei nicht Australien (Aha!) und England sei einfach eine Cucumber-Truppe. Das könne man nicht vergleichen. Also wechselte ich kurz vor dem Spiel meinen verwegenen Tipp von 4:0 auf 2:0 für Deutschland. Meiner Meinung nach, war die deutsche Mannschaft taktisch immer am besten eingestellt und das Team um Joachim Löw wusste die Schwächen der jeweiligen Gegner sehr gut auszumachen. Ich war also doch wieder aufgeregt und dann wieder doch nicht. Ach, es ist kompliziert im Aufregungsbereich.

 

Und dann war ja auch noch die #dws13m-Party anlässlich der Erscheinung unseres 13. Stijlroyal Magazines. Das #dws steht für „Du weisst schon“ und das 13m für 13.000. Und zwar deshalb weil wir bei unserem ersten Grillen in der alten chinesischen Botschaft der DDR, in Berlin, nur ganz wenige Leute einluden, alles ein bisschen geheimnisvoll war und die Leute sich dann auf Twitter mit dem geheimnisvollen #duweisstschon-Hashtag abgesprochen haben wie und wann sie bei uns erscheinen. #dws2 fand dann auf einem Dach in Berlin statt, #dws3 im Schlachthof zu Wiesbaden. #dws12 war dann die Feier zu Stijlroyal Nr. 12, #dws43 war eine JourFitz-Lesung in Kombination mit meinem 43. Geburtstag und nun fand eben die 13.000ste und somit letzte Duweisstschon statt. Man muss die Zeichen der Zeit erkennen.

 

Also war #dws13m und Fußball-Viertelfinale am gleichen Tag und so zogen wir unter sonnenstrahligem Getöse schon um 14:30 Uhr ins Wiesbadener Treibhaus ein. Es war so heiß, soooo heiß, dass meine zwei Ventilatoren nicht mehr wussten was sie noch tun sollten. Und als ich so dahin schmolz vor Hitze und Entzückung da spielte sich vor meinen Augen ein geradezu unwirkliches Szenario ab. Da ich große Massen von voraussichtlich gröhlenden Menschen nicht mag, saß ich oben auf dem Terrasse und blickte von dort auf die für mich aufgrund von Baumbewuchs nur rudimentär einsehbare Leinwand, auf der das Spiel übertragen wurde. Und so konnte ich es weder glauben, noch genau erkennen, wie genau die Tore fielen. Nach zwei Minuten köpfte der saucoole Müller nämlich das erste Tor ins Netz und irgendwie war das alles unwirklich. Die Leute jubelten und ich wartete auf den Abseitspfiff oder irgendwas. So einfach konnte das ja nicht sein. Das ganze Spiel sah danach fast so aus wie das gegen die Engländer, aber es spielten die Argentinier. Leider hatte Maradona vergessen, dass neben dem argentinischen Özil noch andere Fußballspieler eine ganze Mannschaft ausmachten und so setzte er alles auf Messi, der aber einfach ausgeschaltet wurde und so fielen in den Minuten 67, 74 und 89 die Tor 2,3 und 4, während die Argentinier großzügig und ihrerseits aufs Toreschießen verzichteten. Und unten johlte die Masse, oben klatschten wir Angela Merkelmäßig vor uns hin und irgendwie irgendwie irgendwie war alles so hell und in Ordnung so mit der Welt. Maradona weinte, ich dachte an Eva Perón, während die Bedienung langsam immer trauriger dreinschauten, denn die Leute soffen wie die Löcher und wollten obendrein auch noch etwas essen. Unverschämtheit! Und dann kamen Winde auf und tatsächlich ein kurzes Windchen. Ich saß da mit heißen, trockenen Augen, wie weiland Old Shatterhand mit dem sterbenden Winnetou auf dem Schoß. Wir tranken Stø und rauchten Zigaretten (hh hh h) und im Grunde hatten wir es ja bereits geschafft. Ich dachte darüber nach, dass das eines der letzten Veranstaltung dieser Art sein könnte. Dass man das anders machen müsste. Irgendwie mit weniger Leuten, aber dafür mit mehr Pomp. So mit Schiffchen mieten oder an Weihnachten auf einer Almhütte mit Föhnfrisuren.

 

Und jetzt müsste ich eigentlich eine Menge Namen nennen, wer alles so da war und wie toll das am nächsten Morgen bei uns in der K61 beim Frühstück war und wie wir eigentlich alle so Hippies sind, die sich dauernd alle lieb haben, was aber ja natürlich total uncool ist. Ich müsste die deutsche Mannschaft aufsagen und wie die so gespielt haben und warum. Ich müsste soviel.

 

(Foto von mir selbst)

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Die Fußball-WM 2010 im Huckbook / Tag 20

BRASILIEN vs. NIEDERLANDE

 

Die Zeiten ändern sich. Als sich Ronald Koeman 1988 nach dem Halbfinalspiel Deutschland vs. Holland mit dem Trikot des schlausten Fußballspieler aller Zeiten den Hintern abwischte, war eigentlich alles klar und man hatte sich bereits auf 100 Jahre Abneigung eingerichtet. Die Lamaaktion im Achtelfinale bei der WM 1990 untermauerte dieses Gefühl dann noch und so entlud sich dann 2002 die aufgestaute Aversion bei uns knallharten Hooligans in dem Smash Hit „Ohne Holland, fahr’n wir zur WM“. Doch insgeheim fand man immer, die Holländer spielen so schön Fußi, die müssten doch auch mal wieder was gewinnen. Sie gewannen aber nichts, weil sie eben mit 11 hervorragenden Individualisten auf dem Platz standen, man aber im Fußball mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung besser fährt, als mit Zaubertricks. Man mochte die Holländer wieder, weil sie schön spielten, aber zum Glück nicht gewannen. Hihihi!

Als dann im Jahre 2009 Louis van Gaal Trainer beim FC Bayern wurde und unseren Bayernblock (Schweinsteiger, Müller, Lahm, Klose*) in selbstbewusste Zaubergazellen verwandelte und mit niederländischen Spielern wie Mark van Bommel und Arien Robben zwei lässige Hunde in die Gehirne der Deutschlandfreaks pflanzte, da waren sie wieder wer, die Holländer. Und als sich die Holländer dann im Viertelfinale von den Brasilianern nicht den Sneijd abkaufen ließen, da war ich und meine Twitter-Timeline ganz aus dem Hoischen. Ich finde es ja schon immer bahnbrechend, wenn vermeintliche Hardcore-Favoriten ausscheiden. Das hat dann was von Hubertus von Hohenlohe nur eben mit Gewinnen.

 

UND DANN GHANA vs. URUGUAY

 

Meine Frau, das kaltherzige Monster, drückte doch tatsächlich den Urus die Daumen, obwohl sie doch wissen musste, dass es hier um das nackte Überleben eines „ganzen“ Kontinents ging.

Das Spiel war dann auch so wie viele dieser Spiele. Aber dann in der ca. 120sten Minute, da schoss Ghana beinahe das 1:0, aber der Luis Suarez hielt nicht nur einfach seine Hand, sondern gleich den ganzen Arm hin und so gab es zur Belohnung eine Rote Karte und Hand- bzw. Armelfmeter. Und dann stand Asamoah Gyan („Für den sind wir, weil der bei Schalke spielt“) da. Das Tor winzig klein, der Torwart so groß wie der Scheinriese Tur Tur und natürlch der „ganze“ Kontinent mit all seinen Farben, Strömungen, Riten, Mythen, mit all der Armut, der nicht kaputtbaren Hoffnung und all dem, was wir uns so vorstellen unter dem was Afrika so für Sorgen hat und eben der komplette Kontinent, das stand alles da mit offenem Mund, angehaltenem Atem und pochendem Herzen und so stand auch der kleine Herr Gyan da und dachte womöglich noch einen kleinen Moment, dass es das ja jetzt ist und dass man am besten einfach mal draufhält, auf den Ball und auf das Tor und der Rest erledigt sich dann von selbst. Aber ein Elfmeter ist noch kein Tor und so rappelte der Ball mit voller Wucht an die Latte und noch bevor Asamoah Gyan verstand, was da nun passiert ist, segelte der Ball schon wieder über ihn, in Richtung Spielfeld, wo seinerseits die Uruguayer jubelnd umherfielen.

Und dann war die Zeit der Verlängerung abgelaufen und es kam zum Äußersten: zum Elfmeterschießen, was dann Ghana verlor. Ich sag’s gleich.

Und dann weinten alle und auf Twitter auch. Nur die Frau freute sich, schämte sich aber dafür ein bisschen, weil es ja schließlich um einen „ganzen“ Kontinent ging. Jetzt ist Ghana raus und der einzige Trost den wir Afrikafreaks haben ist, dass vielleicht auch die Vuvuzelas raus sind, aber das ist auch nur eine schwache Hoffnung.

 

(Foto von m.aquila / flickr.com)

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Die Bundesversammlung

Es hat fast was vom Jahr 2000 und als sie George W. Bush zum Bundespräsidenten gewählt haben. Nur dass George W. Bush kein Bundespräsident und auch kein Ministerpräsident war, sondern schlicht und ergreifend ein Mr. President. Christian Wulff also, den man mal, da war ich noch jünger als heute, einen jungen Wilden nannte. Ich wusste damals schon nicht warum. Jung war er wohl, okay, aber wild? Naja, Rehe sind ja auch Wild. So wie Wildschweine.

 

Die Junge Union wurde bei uns immer Schulsprecher. Zuvor führten wir einen Grabenkrampf mit allen Mitteln. Trotzkisten, Stamokaps und Funkommunisten (Nicht zu verwechseln mit Funk Ommunisten) auf der einen Seite und JuLis sowie die künftigen Abi-Aufkleber-Herumfahrer von der Jungen Union auf der anderen. Natürlich hatten die Konservativen meist bessere Argumente, waren allgemein toleranter und interessierten sich für unsere Haltung, während wir Linken tollen Bolschewikipippis nur ohrenbetäubenden Hirnriss verzapften und von einer Welt voller Räte, Anarchie und/oder Kibbuzherrlichkeit träumten. Natürlich waren alle anderen (Lehrer, Busfahrer, Rentner, Eltern, Disco, Popper, Kassierinnen) Nazis (Faschisten, Rassisten, Pisser, Arschlöcher, Bonzen). Wir studierten Soziologie, Politikwissenschaften, Amerikanistik, Kunst und Komparatistik, um 15 Jahre später als Seiteneinsteiger in alle möglichen Berufe einzusteigen, während die Konservativen schon wenige Jahre später in ihren Berufen soviel Geld verdienten, um sich die besseren Wohnungen, die undramaterischen Autos mit vielen Jahren TÜV-Tauglichkeit und die köstlicheren Getränke in den besser klimatisierten Clubs leisten zu können. Und natürlich haben wir dann gesagt, das sei ja alles nichts. Im Wald und auf der Wiese zum Beispiel, wäre es viel kommoder und überhaupt der ganze Protz. Nicht mit uns.

 

Und genau diese Menschen (ich meine damit nicht Merkel und die Konsorten mit Ostvergangenheit, die haben eine andere Vita und die mussten andere Kämpfe führen) haben gestern diesen Popanz um Christian Wulff aufgeführt. Dieses Schönreden, Rumgemache, dieses falsche Lachen am Ende auf allen Bänken in allen Reihen, diese minutenlangen stehenden Ovationen. Diese Jubelarien nach dem zähen 3. Wahlgang, die alles andere als angemessen waren, erinnerten mich an diese alten Zeiten in den Schülerversammlungen mit all den Lehrertaschenträgern und Superschleimern, die mit Ihrer ungeheuerer Selbstverständlichkeit uns Selbstverständlichkeit zu demonstrieren, mir seit ungefähr 30 Jahren die Galle wundscheuern. Das war es, was mich gestört hat. Christian Wulff ist zunächst einmal ein etwas sehr uncharismatischer, aber bemühter Mann, der abgesehen davon, dass er in der falschen Partei ist, sich in fast nichts von Joachim Gauck unterscheidet, abgesehen davon, dass der in gar keiner Partei ist, aber sehr wohl viel mehr schwarz/gelbe Positionen vertritt, als uns verrückten, schlauen und Bescheid wissenden Internetfutzies dies lieb sein dürfte. Aber der hat Charisma und sieht irgendwie genauso aus, wie ich mir einen Bundespräsidentenonkel vorstelle und wenn er schon für nichts außer Weihnachtsansprachen und Ruckreden gut ist, dann soll er wenigstens gut rüberkommen. Ich glaube, deshalb habe ich mich im Vorfeld so aufgeregt und war sogar mit den Spinnern von der Springerpresse mal einer Meinung. Jetzt ist aber gut. Am Samstag gewinnen »wir« gegen Argentinien und am Montag tritt Guido Westerwelle zurück und zwar ganz, ganz weit nach ganz, ganz hinten. Und dann, ach dann, soll der Bundespräsident Wulff einfach machen was er will, ansonsten gilt, was @n303 sagt.

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iTunes

Irgendjemand, ich glaube es war der kleine Schlozz Emil Bienenschlau, hat mal im Rahmen einer feucht/fröhlichen Poardey ein Lied mit der Textzeile "Heut saufen wir, heut saufen wir, den ganzen Abend Schnaps und Bier…" von iTunes mit meinem Account auf meinen Rechner gedingst. Was ich damit sagen will… (HEULKRAMPF)

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Die Fußball-WM 2010 im Huckbook / Tag 19

Paraguay vs. Japan. Naja.

Die Paraguayer und die Japaner lieferten sich jedenfalls so anfangs ein hitziges Duell, wollten Tore, beide, wussten aber nicht so recht weiter. Ein paar Fernschüsse der Japaner und eine Gelegenheit von Lucas Barrios, die er aber genauso ungenutzt verstreichen ließ, wie das die Japaner tatenpopaten. Eine politische Brisanz, konnte ich bei der Begenung auch nicht entdecken. Es ist so ein bißchen wie in der Vorrunde einer Fußball-WM. Ein Spiel, das so nachmittags vor sich hin plätschert, während das Gros der potentiellen Zuschauer noch im Büro sitzt oder im Bergwerk schufftet… nee, schuften mit zwei tt sieht komisch aus… also: schuftet. Vielleicht gibts ja ein Elfmeterschießen. Aber für wen soll ich denn da um Himmelswillen sein. Beide Länder sind in den letzten Jahren nicht besonders verhaltensauffällig geworden. Gut, die Japaner haben im Massakerbereich während des sogen. 2. Weltkriegs unangenehm viele Punkte gesammelt und sind auch bis heute im Walfangbereich eher schwierig unterwegs. Ich frage mich allerdings, warum Wale so eine starke Lobby weltweit haben. Weil sie so groß sind? Weil sie so schön (…) singen können? Weil sie so schön sind? Ich bitte Euch liebe Gutsmenschen. Und was ist mit den Schwert- und den Thunfischen? Hat man die Narwale eigentlich schon komplett ausgerottet, um sie sich als Einhorn der Meere über den Schreibtisch zu hängen? Aber das hat ja jetzt nichts mit Fußball zu tun. Die Paraguaynananayer haben Fernando Lugo und sind damit klar im Vorteil, weil er es sich zum Ziel gemacht hat, dass es in Paraguay jemals nochmal was anderes zum Abendessen geben soll, als Rumpsteak. Das finde ich persönlich echt stark, weshalb ich mich jetzt nicht entscheiden kann. Immerhin haben die Japaner im Gegenzug den japanischen Garten und mein Auto erfunden. Außerdem haben sie so gut wie alles erfunden, was gut aussieht und nicht schon von den Italienern erfunden wurde. Ich bin unentschieden und nun geht es in die Verlängerung und ich werde den Ausgang des Spiels verpassen, weil ich die Frau vom Bahnhof abhole. Die Frau ist mir tatsächlich noch wichtiger als die Fußball WM. Das wird man sich auch für die Zukunft hinter die Ohren schreiben müssen. Alles hat seine Grenzen.

Spanien gegen Portugal. Ach ja.

 

Naja. Erst war ich für Portugal. Ich war mal in Aljezur und so an der Algarve. Bin ich hingetrampt mit Null Öcken in der Tasche, wegen der Liebe. Fand ich gut. Portugal meine ich. Die Liebe auch. Aber dann fiel mir ein, dass ich viel öfter in Spanien war und mir fiel Christiano Ronaldo ein. Also war ich für Spanien. Obwohl ich das Spiel der Spanier so langweilig finde wie ein 92.000-teiliges Puzzle mit dem Motiv einer Blauer-Himmel-Situation. Toll, wenn man es löst, aber irgendwie nicht anzusehen. Also war’s mir eigentlich egal. Irgendwie haben die Spanier dann gewonnen und Oliver Kahn war total aus dem Häuschen. Er konnte es gar nicht fassen, wie gut die Spanier waren. Ich frug mich indes wie es wohl jetzt im Kopf von Christiano Ronaldo aussah. Wahrscheinlich wie im Puff von Batzelona und was mit V8 Motoren und viel Chrom und Goldkettchen, sowie Glibber mit Sternchen drin. Also ganz anders als sein Spiel. Nur @Placetogo tat mir anschließend leid, es läuft grad nicht so bei der WM.

 

(Foto vom Foto von glintle / flickr.com)

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Euer Luftkissenfahrzeug ist voller Dampfmaschinen

Ich hab das grad auf Twitter gelesen. Ein Link zu einem Blogger der sich anhand dieser Schwarzrotgoldener Vereinstracht da draußen das 4. Reich an den Haaren herbei zieht. Wie so oft. Wie es wimmelt in diesen Blogs, die fast keinen Unterschied machen zu den rechten, intoleranten Schwachköpfen.

Mir explodiert die Galle. Diese mit „deutschnationalen Farben“ geschmückten Fußball-WM-Fans, die ja noch nicht mal Fußballfans sind, dieses Gros an Volk und Bevölkerung, dass sich da draußen auf den Straßen tummelt, mal nüchtern, mal betrunken, das ist nicht die Speerspitze einer nationalen Bewegung, das sind kleine Schnepfen, Buben mit Flusen im Kopf, aalige Banker, skaterende Dreadlockjünglinge, heulende Jammerlappen, Bodybuilder, Abiaufkleber-auf-dem-Auto-Herumfahrer, dicke Mamas, blonde Jünglinge, türkische Maulaufreißer, Hauptschüler, Soziologie-Studenten, Rechte, Linke, Deppen und Freunde von mir. Das ist kein Auswuchs nationaler Überstürzung. Am Ende fallen die Fähnchen von den Autos ab und liegen im Dreck, am Ende kommt man sich wieder albern vor und wirft die nationale Beflaggung in den Mülleimer, achtlos und ohne den, auch mir unbekannten, Respekt vor solcherlei Symbolik. Es sind die Vereinsfarben, sind die Zugehörigkeitssymbole, mittels derer man sich verständigt. Ob sich da jetzt auch Rechte tummeln um ihre Ideologie zu forwarden… kann sein. Doch wozu soll das gut sein? In dieser Masse an schwarzrotgoldener Tummeligkeit die rechten Kameraden auszumachen fällt wohl eher schwer. Wer rekrutieren will, wird wohl bis nach der WM oder bis zum Ausscheiden der deutschne Mannschaft aus dem Wettbewerb warten müssen.

Wer wirklich etwas gegen nationalistische und rassistische Auswüchse unternehmen will, wer wirklich die Lanze in die Hand nehmen will, Jungs, und hier meine ich nicht die eigene, der und die soll das tun. Es gibt Möglichkeiten, Handlungsstränge, Ideen, Gruppen, Gegner, Vereinigungen, Antifaschistische Mobilmachungen. Blöde Verseierungen, Verwässerungen und Simplifizierungen von, möglicherweise auch nicht in meinem Style agierenden Leuten, die sich über den (Achtung!) „Sieg“ ihrer Mannschaft freuen sind kein Bild und kein Beispiel für irgendeine Bewegung nationaler Natur. Diese Bewegungen indes passieren jeden Tag im Untergrund, im Westen, im Osten und in Momenten, da würden diese Seichtsanftsenfkritiker verblüfft und heulend gegen den nächsten Laternenmast laufen. Ich kann es nicht mehr hören. Eine Deutschlandfahne in mein Avatarbldchen auf Twitter einzubauen käme für mich nicht in Frage, so sehr habe ich es mit diesen Bezüglichkeiten nicht, auch weht in meinem nicht vorhandenen Garten keine Flagge, gleichwelchen Landes, ich möchte dem Aussenspiegel meines Kraftfahrzeugs auch keine kondomähnliche Errungenschaft in Deutschlandfarben überstülpen und beim Abspielen der Nationalhymnen gehe ich noch mal schnell auf Klo. Wer sich derlei behängen möchte, der soll das tun. Diese Symbole verlieren dadurch eher an Bedeutung.

Ich mag dieses Land, die Sprache, die komischen Leute mal und mal wünsche ich mich in Gegenden der Welt, wo mir diese Spießigkeit, diese Kleinkariertheit, dieses nasegerümpfte Suchen nach Fehlern der anderen, am Arsch vorbei segeln. Die Welt ist meine Auster. Haltet endlich die Luft an, gleich welcher Elite Ihr Euch angehörig fühlt.

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Die Fußball-WM 2010 im Huckbook / Tag 18

Ein guter Grund, ein paar übrig gebliebene Jubelarien in die Holländer zu investieren ist Arjen Robben. Was für ein sympathischer Knuddel. Das klingt jetzt natürlich so, als hätte ich überhaupt keine Ahnung vom Fußball, aber es würde ja geradezu narkoleptisch anmuten, wenn ich hier nochmal das Spiel runterrasseln würde. Das macht doch schon Fred und der kann es als einziger auf der ganzen Welt wirklich gut. Ich habe aufgehört über Fußball zu erzählen, als ich Frédéric Valin kennenlernte. Da habe ich nach ca. 90 Minuten begriffen, dass ich keine Ahnung habe. Nur so Tabellenwissen und 100 Jahre 11 Freunde-Magazin, sowie diverse tolle und furchtbare Spiele in diversen Stadien in diversen Ländern. Aber was hilfts. Bringt ja nichts.

Warum ich diese Leidenschaft für diesen Sport habe, erklärt in etwa der Film „The Final Kick“ von Andi Rogenhagen. Dort sieht man Menschen aus 40 Ländern, wie sie dem WM-Finale Brasilien vs. Italien am 17. Juli um 12:30 Uhr Ortszeit in Los Angeles zuschauen. Der Film zeigt Schlüsselszenen aus dem Spiel und dann wie die Zuschauer etwa in einem Dominikanerkloster in Tschechien oder vor einer Großleinwand am Pekinger Hauptbahnhof, im Harem des berühmtesten Volkssängers aus Kamerun, auf dem Fischmarkt in Seoul, in einem Gefängnis in Minsk und an vielen weiteren Orten, reagieren. Man begreift so ein bisschen, was Fußball für eine Bedeutung hat und dass sich Menschen, die dafür kein Verständnis haben, zu Recht wie Außerirdische fühlen. In allen Teilen der Welt stecken sich die Menschen auf die gleiche Weise die Faust in den Rachen oder schlagen sich die Oberschenkel vor Aufregung grün und lila. Fast alle Menschen bevorzugen als Begleiterscheinung die Alkoholisation in den verschiedensten Facetten, Vernunftsstufen und Ausuferungen und wenn der Ball beim Elfmeter über das Tor geht, ertönt aus allen Mündchen das gleiche stöhnende Röhren. Weltweit. Das ist Fußball. Nicht nur die gute Kombination und das Ballgefühl und, dass die Brasilianer am Ende immer weinend und betend oder weinend und pantomimisch Kinder wiegend an der Seitenlinie stehen und ihre Tore bejubeln. Was ich ja überhaupt nicht ertragen kann. Die bemüht pseudogottesfürchtigen Showkatholiken mit ihren Ritualen. Ja leck mich doch. Das würde Arjen Robben niemals tun. Er jubelt mit Herz und ehrlich und ein bisschen demütig vor der großen Realität. Ich wünsche mir, dass die Holländer die Brasilianer am Freitag nach Hause schicken. Wie auch immer. Fair muss es sein, kein Wembley-Tor, kein nicht erkanntes Abseits, kein blödes, hinterlistiges Foul. So richtig mit, was weiß ich, womöglich Elfmeterschießen, von mir aus auch mit Hornberger Schießen, egal, Hauptsache am Freitagabend fliegt ein Flugzeug mit 22 brasilianischen Spielern nach Rio de Janeiro oder wo auch immer sie gerne hin möchten. Ich bin da ja kulant.

Meine zerrige Aversion gegen die Brasilianer und die Italiener (aber nur im Fußball und in den großen Gesten) rührt vor allem aus meiner ewigen Leidenschaft für Underdogs. Die großen SuV-Fahrer, die gehobelten, schmierigen Langweiler mit ihren Ritzen an der richtigen Stelle und dem Unvermögen in Sachen Lieblichkeit sind mir ein Graus. Sie pflanzen sich fort, sie haben korrekt geführte Bankkonten mit Mehrwert im Habenbereich, sie regieren uns, sind aber weinerlich und zu nichts zu gebrauchen. Aber was hat all das mit Brasilien zu tun? Ach, nichts, ich muss mich nur mal aufregen. Jetzt fahren die Chilenen nach Hause. Diese sympathischen Rabauken, die sich in den richtigen Momenten ein Herz gefasst haben und so bis ins Achtelfinale der Fußball-WM gekommen sind. Sie sind letztendlich an einer der besten Abwehrriegel inkl. besten Torwart der Welt gescheitert. Kann man machen, ist aber trotzdem traurig.

Ich hoffe jetzt auf die Holländer. Diesmal muss es klappen. Sonst komm ich am Samstag nicht auf meine eigene Party. So!

 

 

(Foto vom Foto von Brendio / flickr.com)