alltag ist suboptimal. zumal er ja dauernd da ist. suppenkaspertum. aber ich
muss meinen zettel abarbeiten. meinen auftragskillerplan. jeden tag muss ich
aus dem fenster kucken ob da kinder oder junge damen oder einzelhändler
oder gleichgesinnte oder gerne auch mal der alfmann vorüber läuft.
man hat ja auch nichts zu tun. jetzt wo ich am fenster sitze, bietet sich
das aus dem fenster kukken ja direkt an. auch wenn ich mein eigener chef bin.
mein eigener chefsalat würde ich sogar sagen. also hat uns der alltag
wieder im arm und der alltag, das muss ich sagen, ist gar nicht mal so schlecht.
man macht seinen eigenes geschäft, schmiedet pläne und schwerter
schmiedet man zu pflugscharen. doch was sollen wir mit pflugscharen?
pfeif, quietsch. so ist die musik heuer. sie pfeifquietscht den lieben langen
tag. braucht man sich gar nicht länger anzuhören, ist nicht machbar.
und der herr smax vom neroberg, der baut jetzt in diesem moment seine wohnung
zu einer tollen kuschelhöhle um, das weiss ich (zwinker), aber ich darf
es nicht verraten. und während ich sage, dass ich es nicht sagen darf,
weht ein kühler wind auf meine vom händewaschen noch klammen fingerlein
und ich bekomme rheumatische beschwerden und zittere am ganzen leib. das ist
der alltag im sedanland. furchtbar… naaaaaaaiiin. nicht furchtbar. höchstens
furchtbar schön. ein fax kommt, ich muss schluss machen…
bundesstadt bonn
was soll denn das sein? eine bundesstadt. gibts davon noch mehr? nur weil
die früher mal hauptstadt waren, oder was? wegen mir hätten sie’s
auch bleiben können, aber nein. man musste ja trilliarden verschwenden
und nach berlin umziehen. den winter werdet ihr schon noch erleben… in euren
überheizten 200qm wohnungen… ach vergiss es doch…
also wir sind nach bonn zum kunden und haben dort viele abenteuer erlebt.
die finnin, als buchbinderin ja ein prima kascheuse und frau mai long als
mitarbeiterin ein muss in bonn an der seite des geschäftführenden
gesellschafters, der ich ja seit einiger zeit, ums genau zu sagen, immer schon
bin. schon vorher als noch nichts war, da waren r.k. und ich nich viel, aber
geschäftsführende gesellschafter waren wir allemal. dazu hat’s noch
immer gereicht.
also bonn und einen zufriedenen kunden hinterlassen und dann ahrweiler, weil
dort der maler georg haubrich weilte und wir ihm doch mal die hand schütteln
wollten. in ahrweiler, einem idyll an der schwelle zur eifel. frau long und
die finnin waren den tränen nahe. und dann fuhren wir noch nach mainz
und dann nach wiesbaden. juhuu. wieder da. und als das autofahren spaß
gemacht hat (am donnerstag), da hats noch spaß gemacht, aber inzwischen
möchte ich gerne wieder laufen oder radeln oder hüpfen. hüpf
ich doch…
ick sitze da und esse klops
uff een ma klops. ick jeh raus und kieke, und wer steht draussen? klops. jedenfalls
dachte frau mai long, so ginge es aus. es geht aber thomas häßler
aus, also icke. mensch, ditt is doch klah wie klopsbrühe.
so sind wir dann also pünktlich, wie vereinbart um punkt 09:30 uhr (ehemals
acht uhr) losgefahren. in r.k. seim renault. und es hat spaß gemacht.
über die autobahn zu gurken und so, das hat spaß gemacht. und überall
das goldene M. wir sind aber nicht eingekehrt, burger king wäre besser,
war aber nirgendwo ein güldenes b zu sehen, so haben wir käsebrote
verspeist.
später dann in der hauptstadt, im blühenden
osten. da blüht’s ja wie die sau. also gut. und zuletzt hat mich dann
die wehmut schon ein wenig gepackt, als wir auf der schönhauser allee
im stau staken. schade. aber 1998 war schluss mit berlin und mir. wir haben
einfach nicht mehr zueinander gefunden. im winter zu kalt und im sommer zu
schwül. so geht’s ja wohl nicht.
und der eigentlich job, nämlich die bilder des malers georg haubrich
abzulichten, den machten wir flotter hand und bei gutem licht so wie’s angedacht
war. bloß keine fehler machen, sonst musst du nochmal hin lüdia
mai long. und da nimmt sie auch schon, die für sie typische kampfstellung
ein.
graues morgengrauen
die herrschaften vom handwerk haben wieder ein inferno veranstaltet… meiner
seel. man kann nicht wirklich sehen was sie da in yorckshire veranstalten,
aber es ist sehr sehr laut. aber so was von laut. eijejeijei. man kann sich
das kaum vorstellen. vielleicht lauter als ein startendes düsenflugzeug.
aber auch nur vielleicht.
jetzt müssen wir uns sammeln. wer ist noch fit? wer hat die letzten tage
schadlos überstanden? wer hat die nase vorn? wer holt kaffee? lüdia
mai long ist noch gar nicht da. hat sie etwa hinten in der ecke beim besprechungsraum
gesessen? r.k. schaut misslaunig in seinen monitor, jetzt steht er auf und
faltet ein blatt papier… jetzt geht er hinaus und zum supermarkt um kaffee
zu kaufen. er scheint mir nicht glücklich zu sein, aber er scheint auch
nicht unglücklich zu sein. ich hingegen und das kann man genau sehen,
scheine höchst… komisch zu kukken, bin aber höchst motiviert und
voller guter pläne, besonders was die berlin sache betrifft und auch
was die bonn sache betrifft. und wenn wir am dienstag wieder hier sind, dann
kann man ja auch mal über die stuttgart sache nachdenken. über die
wiesbaden sache habe ich ja gestern schon nachgedacht und ich bin nicht john
peel.
stadtgespräche
wir sind uns einig, die kommunikation der stadt mit den bürgern müsste
marginal verändert werden. nicht leicht, wenn man bedenkt, dass in dieser
wattepäckchenstadt leute leben, die wiesbaden für die south bronx
halten. man kann jedoch definitiv auch abends durch die wellritzstraße
schlendern und nur weil die fußgängerzone gerade renoviert wird,
leben wir auch nicht in der dreckigsten stadt des universums. liebe mitbürger
und mitbürgerinnen, alles ist gut. wir haben eine gefühlte griechische
kapelle, die ja seinerzeit aus eher traurigem anlass erbaut wurde, sie hat
güldene dächer. das muss man sich mal vorstellen. und wie ich gerade
sehe fährt die polizei in silber/grünen raumschiffen umher. wir
sind die sicherste stadt hessens und wir sind umgeben von wald, weinbergen
und dem top-banana-mythos-fluss rhein. ausserdem gibt es das gestüt renz,
ich war zwar noch nie da, aber es soll der hit sein. mal ganz was anderes.
einfach mal die seele baumeln lassen zusammen mit dem original spital-publikum.
und kinners, der schlachthof. mensch. das ist doch klasse. da gibts flaschenbier
und die legen auch heute noch nirvana auf. das gibts doch nirgendwo. und es
gibt lauter leute, denen es supie geht, die aber dauernd rumjammern und sich
zurückziehen, weil es ihnen in einer anderen wirklichkeit gar nicht supie
geht. doch wie wirklich ist die wirklichkeit?
zurückziehung
juhuu. geschafft. alles wieder im lot und die sonne scheint obendrein auch
noch hier rein.
ist alles gut. wir sind am rödeln. es klikkert aus allen ecken. und das
telefon rappelt in einer tour. inox war mal hier, andere haben zu sehr in
den mai reingefeiert, da waren sie hinterher bettlegerig. wieder andere schlendern
hier vorbei und sagen hallo, doch ich kann mir gesichter nur sehr schwer merken,
drum sage ich auch auf eine art und weise zurück hallo, die eher doof
ist, was aber nicht so gemeint ist, ich bin nur immer sehr irritiert und dann
mache ich ein komisches gesicht, kein wunder, denn ich bin ja auch ein komischer
kauz. ich gebe es gerne zu. schuhuuu. käuze ich gerne vor mich hin.
irgenwie will das wort auch nicht so fliessen aus dem gehirn, via transmitter,
durch die finger in die tastatur. aber es wird schon. eben haben wir überlegt,
dass wir mal demnächst zum türken in die frankenstrasse gehen, um
uns dort obst und gemüse zu erwerben, denn wir müssen uns allesamt
gesünder ernähren. r.k. legt sich dann bananenscheiben auf die fertigpizza.
ehre wem ehre gebührt.
mit den ausserirdischen
jedenfalls glauben das hier die meisten. kicher. ich lasse mich gerne überzeugen.
sie sind ja vielleicht ganz drollig. und gar nicht schleimig, schuppig oder
verknärzt, die ausserirdischen. sie sind vielleicht voll rohr schöne
ausserirdische, die sich leicht rumkriegen lassen. man könnte mit ihnen
den beischlaf praktizieren und so lauter neue semiausserirdische produzieren.
die wären dann aber auch nur noch semischön, weil ja halber mensch
drinnen ist. und halber menschh kennt man ja von den einstürzenden neubauten.
ist nur an manchen tagen schön. findet auch herr bargeld, habe ich mal
gehört. und so wäre es dann auf der schönen erde, mit den schönen
ausserirdischen einen hedonistischen abenteuer vor dem herrn.
heute ist also zu uns der INOX gekommen. und es wird fleissig geschickert
und gemickert. vorher gehen wir noch zum balkangrill und dann gehts los.
und als besonderen service beim klikk auf inox direkt, kann man dabei sein,
wenn man nicht dabei sein kann, kann man dabei sein. das live-klassenbuch
wird bisweilen minütlich aktualisiert. ab jetzt.
INOX direkt
r.k. & hays haysner finden es gut
es kommt wie es kommt. platter gehts zwar nicht, aber es stimmt und stimmt
und stimmt. drum lehnt eure seelen einfach zurück und schaut in den blauen
himmel… platter gehts zwar nimmer, aber es stimmt.
mir kommen die tränen der rührung. frau mayr ist
raus und jetzt baut inox hier sein krempel auf und siehe da, es ist auch schön.
es ist anders. nicht so sauberschön, dafür spannend schön.
mir gefällt. hm, was meinst du r.k.? er nickt. weil wir einverstanden
sind. und so soll das weitergehen. beschlossene sache ist zum beispiel, dass
ich mich in die höhle des löwen wage, mich ins womöglich verfluchte
eck der verlassenheitigkeit setzen werde um dort mein heil in der flucht zu
finden.
ich probiers einfach aus. mal sehen. vielleicht gehts ja gut und ich hebe
den fluch auf, tret ihm in den arsch und schmeiss ihn raus. platz draussen
wär ja und vielleicht kann ihn jemand gebrauchen. wenn man mal jemanden
los werden will, dann geht das so: einfach den fluch der verlassenheitigkeit
mit nach hause nehmen und dort gegenüber vom fenster aufbauen. schwupp
und schwurgel di hüpf, schon stehen die leut‘ wie die zombies auf und
laufen raus um zigaretten zu holen. wir schwören, so wars bisher immer.
aber so wird es ja nicht bleiben. so kann es ja auch nicht bleiben. das wäre
ja der wahnsinn. jetzt ist erstmal aber was anderes dran. inox im sedanland.
morgen ist die vernisage. wann die finisage ist, werden wir dann bekannt geben.
grunz lechz
heute ist es auch sehr hell draußen. ich weise an dieser stelle gerne
darauf hin, weil das wetter spaß machen muß. das finde ich seit
letztem jahr sehr wichtig. früher war das eher nebensache, inzwischen
weiß ich noch mehr eine gute sonne am firmament zu schätzen. sonne
geht! wenn die sonne lacht, lachen wir alle mit. r.k. natürlich nicht.
r.k. lacht nur bei sonnenfinsternissen. aber lüdia lacht. bull bulla
lacht auch nicht, er lacht nur wenn weihnachten, ostern und der st. nimmerleinstag
auf einen tag fallen. aber dann lacht er viel und reichhaltig. ruichy ist
ständig am lachen… ah nein eher am grinsen. aber grinsen kann er. das
kann er wirklich gut. ich glaube er würde auch noch grinsen, wenn er
bei einem ochsenfroschweitsprungwettbewerb in alabama den vorletzten platz
einnehmen würde. er und sein ochsenfrosch. die beiden sind schon ein
team. ich kann gut verstehen, dass sie sich so gerne mögen, der ochsenfrosch
den ruichy und ruichy den ochsenfrosch. sie sind sich beide gewogen. haben
zusammen schon viel erlebt. zum beispiel seinerzeit in alabama. beim ochsenfroschweitsprungwettbewerb…
lüdia will bei mir fieber messen… aber ich bin doch kerngesund… das
ist doch die höhe!
frau mayr baut schwer ab
es ist sehr sehr traurig, doch nun heißt es abschied nehmen und am rande
dessen auch verzweifelt nach einem ausweg suchen. wir sind am boden zerstört:
frau mayr baut ab. nun nach zwei monaten ist es soweit, die ausstellung von
sibylle mayr neigt sich extrem dem ende und heute dann… aus. dafür
kommt heute abend der herr inox und baut uns wieder auf. jetzt wissen wir
nicht genau, was uns erwartet.
und nachdem wir nun alles fürs brimborium eingekauft haben, ganz so,
als hätten wir sonst nichts zu tun, da sind wir wieder ins lande eingefahren,
wie der blitz und nun ist frau mayr am abbauen. es musste ja so kommen. sie
will uns nichts da lassen.
aber auch gar nichts. dieses miststück. r.k. und ich weinen bittere tränen.
lüdia mai long zieht endlich in eine eigene unweegeeesque wohnung, auch
sie wird weinen, wenn sie die schwersten kartons im dritten stock abgestellt
hat. bull bulla weint, wie ich höre von weit her, von seinem neuen arbeitsplatz.
die finnin ist sehr tapfer. sie weint aber nachts leise in ihr kissen. ich
konnte es selbst hören. nur ruichy shimano weint nicht. er hat ausgeweint.
vielleicht fängt er auch jetzt erst an zu weinen, aber dann weit weit
weg, draussen auf dem meer. wo wir ihn nicht hören können. er hat
sich mit dem rettungsboot auf und davon gemacht. einfach so, in der nacht.
ist zigaretten holen gegangen und dann nicht mehr zurück gekehrt. brücken
brechen. now!









